Allgemein Nachtgedanken

I BIMS | Warum die „Internetsprache“ vielleicht doch nicht der Untergang ist

I Bims

Das neue Jugendwort der Jahres ist gewählt. Die Aufregung war wieder beinahe so groß, wie die nach der Bundestagswahl. Absehbar war es dieses Jahr gewesen, welches „Jugendwort“ von der zuständigen Jury des Langenscheidt-Verlags ausgewählt werden würde. Immerhin waren wieder größtenteils Wörter vorgeschlagen worden, die weder ich, noch meine Freunde jemals zuvor gehört hatten. Nachdem „Smombie“ zum Jugendwort 2015 gewählt wurde, das bis zum Zeitpunkt der Wahl dessen von keinem mir bekannten Menschen im echten Leben oder im Internet genutzt wurde, war man ja auf allerlei Neologismen und Buchstabensalate vorbereitet. Doch dieses Jahr stand dieses eine Jugendwort (bzw. bestehend aus zwei Wörtern) in der Liste zur Auswahl, das in den letzten beiden Jahren das deutschsprachige Internet mehr oder weniger revolutioniert hatte: I bims.

 

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Quelle (alle Fotos): Nachdenkliche Sprüche mit Bilder

„I bims“ ist ja nur ein ganz kleiner Teil dessen, was der liebe Willy Nachdenklich (oder Jems?) mit Inspiration durch Money Boy da auf seiner Facebookseite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ geschaffen hat. Als er im Sommer 2015 die ersten Bilder auf seiner Seite gepostet hatte, ging er nach dem ganz üblichen Rezept vor: Ein Google-Bild von einem Sonnenuntergang, einem Engel oder hüpfenden Delfinen vor dem Sonnenuntergang suchen, ein ergreifendes Zitat oder eine nützlich klingende Lebensweisheit drüber legen und fertig. Der einzige Unterschied zu den üblichen Seiten: Die Zitate stehen schräg auf dem Bild und sind geschrieben in einer ganz eigenen Sprachvariation mit eigenen Regeln und eigener Rechtschreibung. Der ironische Wert der Seite ist also recht schnell zu erkennen. Es geht hauptsächlich darum, sich über die eigentlichen „Nachdenklichen Sprüche mit Bildern“ lustig zu machen. Die Seite genießt mittlerweile eine wahnsinnige Beliebtheit und wird von zahlreichen anderen Seiten kopiert (z.B. VONG), die Sprache wird als Werbemittel von großen Firmen genutzt (z.B. Sparkasse, Pick Up, …) und nun ist ein Ausdruck der Sprache das neue Jugendwort des Jahres.

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Der Betreiber der Seite macht aber ganz deutlich, dass sowohl der Ausdruck „I bims“, als auch die Nutzung der Zahl 1 anstatt „ein/eine/…“ nicht von ihm, sondern vom Rapper Money Boy kommen. Trotzdem ist nicht zu verleugnen, dass es maßgeblich diese Facebookseite war, die die Bekanntheit der Sprache um einiges erhöht hat. Und ich persönlich war von Anfang an Fan, hauptsächlich aus dem Grund, dass sich das Internet in eine sehr beängstigende Richtung bewegt. Es wird zunehmend politischer und da das Internet nicht vor Dummheit schützt, kann das sehr gefährlich werden. Wer schon einmal versucht hat, sich in eine Diskussion mit besagten Facebook-Usern zu stürzen, merkt schnell, das funktioniert nicht. Man stößt auf eine intellektuelle Wand. Das macht es schwer, darauf zu reagieren und stellt die meisten vor die Herausforderung, nicht zu wissen, wie man damit am besten umgeht. Sarkasmus ist immer eine gute Art und Weise. Vor allem in Situationen wie diesen, in denen man die (pol Gegner) am besten erst gar nicht direkt konfroniert, springt die “Vong-Sprache” ein. Dass nicht jeder Facebook-User immer so unbedingt durchsteigt und versteht, was da passiert, zeigt die „Fenpost“, die der Seitenadministrator regelmässig veröffentlicht. Doch es sind nicht nur die, die anscheinend nicht ganz verstanden haben, aus welchem Grund man die Sprache denn wirklich gebrauchen sollte.

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Viele bezeichnen die Internetsprache als „Untergang der deutschen Sprache“. Das ist Quatsch. Es gibt doch niemanden, der diese Art zu schreiben tatsächlich im echten Leben und mit vollem Ernst nutzt. Jede Aussage trieft ja eben durch die Nutzung der Sprache nur vor Sarkasmus. Außerdem bedarf es durchaus an einem Stück Kreativität und Eloquenz, die Sprache wirklich anzuwenden. Die, die das Ganze als Verkümmerung der Sprachfähigkeit betiteln, sind meistens sogar die, die (außer dem zusätzlichen „s“) keinen Unterschied zwischen „dass“ und „das“ finden, „seid“ und „seit“ grundsätzlich verwechseln und Kommata eher als Dekoration verwenden. Also chillt mal eure Base und nehmt nicht alles, was im Internet passiert, so ernst. Ja, die Anglizismen waren volle, provokative Absicht. Was ich also damit sagen will – die Sprache ist tatsächlich ein modernes Stilmittel, dessen Wert man nicht unterschätzen sollte. Gerade, was eben die politische Diskussion im Internet angeht, ist die Vong-Sprache sehr hilfreich. Das ist ein bisschen wie „Den Gegner mit den eigenen Waffen schlagen“, weil man gegen Dummheit mit Dummheit vorgeht. Man nimmt dem Internet an Bedeutung, indem man es einfach nicht mehr als ernsthaften Ort zum Diskutieren nutzt. Das wahre Leben spielt sich draussen ab. Doch mit der Vong-Sprache wurde ein Sarkasmus-Imperium geschaffen, das es ganz leicht macht, mit dem Populismus, mit der Dummheit, mit dem Extremismus im Internet umzugehen: Ganz gespielt naiv von oben herab. Dem Gegner keine Chance geben, überhaupt eine seriöse Diskussion starten zu können.

In dem Sinne – i bim jetz raus, danke für Lesen vong Zeit Nutzung her und noch 1 wichtigen Weisheit zun Schluss:

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1 Kommentar zu “I BIMS | Warum die „Internetsprache“ vielleicht doch nicht der Untergang ist

  1. Der Fotograf

    Populismus, rechtsextreme und Dummheit in der deutschen Politik und Kultur sind leider nicht neu! Ich bin seit 1988 in Deutschland und habe vieles erlebt. Ich habe mich und ärgere mich immer noch über die dumne Sprüche und die Dummheit der Menschen, vielleicht sollte ich deinem Rat befolgen und die Dummheit mit dummer Antwort beantworten .

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