Allgemein Nachtgedanken Society

Winterblues, ich brauch‘ mehr Sommerjazz.

Der Himmel über der Stadt ist weißgrau verschleiert, ich finde den Flecken Wolke, hinter dem ich die Sonne vermute und es blendet fast schon ein bisschen. Aber nicht genug.

Ich sitze allein in meinem neuen, noch so unwohnlichen Zuhause in einer neuen Stadt mit Netflix & timekill. Ich vertreibe mir die Zeit damit, viel zu viel zu schlafen und viel zu wenig zu tun. Ich bin fast schon neidisch auf all meine Freunde, die gerade chronisch belastet und gestresst sind und gar nicht mehr wissen, wie die Welt außerhalb ihrer vier Wände und unendlichen Lernseiten aussieht. Ich ertrinke in Zeit, will mir jemand welche abnehmen? Es dauert jetzt noch mehr als einen Monat bis mein Studium beginnt. Ich bin auf Jobsuche, es ist aber wie gesagt mehr ein Suchen als ein Finden. Ich habe mir Bücher gekauft, die sich mit der Thematik meines anstehenden Studiums beschäftigen. Bisher standen sie nur in meinem Regal, weil ich mich nicht einmal dazu aufraffen kann. Also selbst schuld, ich faules Stück.

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Seit der letzten gescheiterten Beziehung, bin ich mir auch ziemlich sicher, dass ich einfach fürs Single-Dasein gemacht bin. Meine feministische Ader ist sich da schon lange sicher. Die realistische, physische Seite scheitert allerdings weiterhin regelmäßig daran, Konservegläser mit sauren Gurken und Glasflaschen alleine zu öffnen. Meine romantische Seite merkt auch eher oft als selten, dass Kuscheln alleine einfach auch nicht möglich ist. Ich will mich nicht so wahnsinnig nutzlos fühlen. Und dann merke ich, dass ich das gar nicht aufgrund meines Singlelebens muss, sondern deshalb, weil ich einfach nicht an mich glaube. Weil ich glaube, dass ich gewisse Dinge nicht alleine schaffe, weil ich mich in meinen naturgegebenen femininen Nachteilen ausruhe, obwohl ich sie eigentlich umdrehen und als Stärke nutzen sollte. Nur wie – das hab‘ ich leider noch nicht herausgefunden.

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In letzter Zeit ist mein treuster Begleiter die ständige Müdigkeit. Es scheint, als würde der Wolkenschleier nach unten auf die Straßen rücken und mich zerdrücken, mir das Atmen schwer machen. Ich weiß, die Gedanken sind frei und doch kreisen sie gerade immer wieder um dieselben Dinge. Alles andere fällt auch schwer, bei all den Nachrichten, die täglich über die Bildschirme huschen und sich in mein Bewusstsein drängen. Hier ein großer Terroranschlag im nahen Osten, da ein verhafteter Journalist, hier eine politisch motivierte Messerstecherei, da eine Massenschießerei in den USA, hier ein neuer schockierender, faschistischer Kommentar der Rechtspopulisten und -extremisten. Es scheint ja gar kein Ende mehr zu nehmen. Dabei will man doch eigentlich auch nichts anderes, als sein Leben ganz normal leben zu können. Und wenn man nicht mit Scheuklappen oder ohne Mitgefühl durch die Welt spaziert, stellt sich das doch als recht schwierig bis unmöglich heraus.

 

 

Gerade ertappe ich mich also viel zu oft dabei, viel zu schwermütig am Nachdenken zu sein. Dann sage ich zu mir selbst: „Jetzt bekomm‘ mal deine scheiß‘ sentimentalen Phasen unter Kontrolle!“ Aber ich bin einfach ein scheiß‘ sentimentaler Mensch und ich weiß nicht, ob ich das jetzt nicht einfach mal akzeptieren sollte und mich nicht ständig dafür – auch vor mir selbst – rechtfertigen sollte. Ich weiß es einfach nicht.

2 Kommentare zu “Winterblues, ich brauch‘ mehr Sommerjazz.

  1. Hey Daria! Mann, was erkenne ich mich in manchen Stellen dieses Textes wieder. Mutig, dass du uns das alles so offen mitteilst. Und du bist nicht allein damit. Mit diesem ständig-sentimental-Sein, das einen früher oder später selbst ankotzt.
    Ich glaube ja, das liegt auch am Februar.
    Ich setze jedenfalls große Hoffnungen auf den Frühling, haha.

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    • poesietanz

      Hey Sonja! Schön zu hören, dass man damit nicht alleine ist. Und ja, wie OK KID schon meinte, der Februar ist bestimmt schuld 🙈

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