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Deutschland 2018: Die Fußball-WM und Seehofer

Dass Deutschland so früh wie noch nie aus der Fußball-Weltmeisterschaft ausgeschieden ist, ist gerade das größte Thema in den Medien. Es ist das, was unsere Gesellschaft wirklich bewegt. Mich nicht unbedingt aus Fußballgründen, aber dadurch, was drumherum passiert. Die gesamte deutsche Nationalmannschaft versagt auf dem Platz, doch Schuld sind nur zwei: Özil und Gündoğan. Ich meine, es ist kein Geheimnis, dass ich Erdoğan und seine Politik in keinster Weise unterstützen möchte und mit dem Besuch der beiden Nationalspieler definitiv eine Message einhergeht, die schwierig nachvollziehbar ist. Trotzdem ist es erschreckend, dass plötzlich Menschen aufgrund ihrer ursprünglichen Herkunft angefeindet werden. Özil sorgte in seiner bisherigen Zeit in 90 Spielen für 23 Tore und 40 Vorlagen. Dafür hat man ihn immer als den deutschen, wahnsinnig talentierten Nationalspieler gesehen. Jetzt trägt er mit dem gesamten Kader die Verantwortung dafür, dass die Nationalmannschaft vorzeitig ausgeschieden ist, und er ist der Türke, der allein daran schuld ist. Auch wegen Erdogan. Und überhaupt. Er ist ja Türke, kein Deutscher. (Er hat übrigens seit seiner Volljährigkeit die alleinige deutsche Staatsbürgerschaft.) Karim Benzema hat sich schon in einer ähnlichen Situation gesehen: „Wenn ich treffe, bin ich Franzose. Wenn ich nicht treffe, bin ich Araber.“ Und genau das ist Rassismus. Der deutsche Fußball war immer das Paradebeispiel für gelungene Integration schlechthin. Wenn das jetzt nicht mehr so ist – was bedeutet das dann für uns als Nation? 2012 sagte Özil etwas, was ich gerade sehr passend und schön finde: „Ich habe in meinem Leben mehr Zeit in Spanien als in der Türkei verbracht – bin ich dann ein deutsch-türkischer Spanier oder ein spanischer Deutsch-Türke? Warum denken wir immer so in Grenzen? Ich will als Fußballer gemessen werden – und Fußball ist international, das hat nichts mit den Wurzeln der Familie zu tun.“

Horst Seehofer kündigt einen potentiellen Rücktritt aus all seinen Ämtern an und zuerst klingt das ja wirklich nach guten Nachrichten. Wenn man allerdings weiter überlegt, ist es schwierig, daran noch positive Seiten zu finden. Zuerst: Wer wird sein Nachfolger? Womöglich ein Dobrindt oder ein Söder? Besser wird es dadurch in keinem Fall. Dann: Ist es wirklich gut, wenn die Union zusammenfällt? Und damit die Koalition, sprich unsere Regierung? Im Endeffekt spielt das genau einer Partei in die Karten: Die AfD reibt sich ihre Hände und nutzt die Unsicherheit in der Regierung sicher für ihre Zwecke. Oder war das alles doch nur ein Manöver, um etwas Publicity zu erzeugen? So AfD-mäßig Aufsehen erregen und dann doch sagen, man habe das nicht so gemeint? Auch wie Herr Seehofer die Sachlage darstellt ist auf eine lächerliche Weise interessant: „Ich kann mit der Frau nicht mehr arbeiten“ ist eine Aussage, die Seehofer vor zwei Wochen über Merkel getroffen hat. Das ist nicht nur asozialer Straßen-Jargon, sondern auch ein deutliches Zeichen dafür, dass nicht Merkel das Problem ist, sondern er. Vor den gestrigen Gesprächen hat Angela Merkel etwas wie: „Der Wunsch, das zu lösen ist groß“ geäußert. Und dass nicht Merkel die alleinige Schuld des Scheiterns trägt, zeigt eigentlich die komplette vorherige Legislaturperiode, in der Horst Seehofer selten kompromissbereit war, sondern eigentlich zu jedem Punkt immer nur Kontra gegeben hat. Er hat sich sein kleines rechtes Seehofer-Reich in Bayern geschaffen. Jetzt meint er, er lasse sich „nicht von einer Kanzlerin entlassen,“ die nur wegen ihm Kanzlerin sei. Das ist allein deshalb lustig, weil er selbst den Rücktritt vorgeschlagen hat und nun die Schuld zu Angela Merkel schiebt, indem er es als eine Entlassung betitelt. Die Union ist kurz vorm Zerbrechen und niemand weiß, wie es weitergehen soll. Trotzdem – ohne Horst Seehofer wäre ein Nazi weniger in der Regierung und das ist gut.

1 Kommentar zu “Deutschland 2018: Die Fußball-WM und Seehofer

  1. Ist es jetzt gut wenn Seehofer abtritt oder doch nicht? Oder vielleicht doch? Weiß man es? Oder vielleicht doch nicht? hmm..

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